Mae Hong Son Loop – Rausch von Freiheit Teil 3

Nachdem Mae Sariang Yuam Flusswir gestern eine große Tagesetappe auf der Mae Hong Son Loop zurückgelegt hatten, gönnten wir uns ausnahmsweise mal ein etwas teureres Zimmer, um am nächsten Morgen frisch und munter auf die nächste Tour starten zu können. Doch was eröffnete sich uns, als wir den Vorhang in unserer Unterkunft in Mae Sariang beiseite schoben? Welche Entdeckungen und Ziele lagen an diesem Tag auf unseren Weg? Erfahre im folgenden Artikel mehr darüber.

Erwachen im Paradies

Wir erwachten am nächsten Morgen ausgeruht und öffneten als erstes den Vorhang: wow, wir waren geflasht über den Anblick, der sich uns bot. Wir waren gestern ja leider im Dunkeln in Mae Sariang angekommen. Wir wussten zwar, dass direkt vor uns der Yuam Fluss liegen muss, doch wie es nun wirklich aussah konnten wir aufgrund des fehlenden Lichtes nicht ausmachen. Unterkunft Mae SariangNun eröffnete sich ein beeindruckendes Bild. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt, schlängelte der sich in der Morgensonne glitzernde Yuam Fluss. Am Horizont breitete sich eine grüne Hügelkette aus, an dessen Füßen sich ein breites Dschungelband zog. Die Gipfel der Berge hingen zunächst noch in den Wolken, aber klärten sich mit der Zeit immer mehr. Die Vögel zwitscherten und rechts und links vom Balkon wuchsen Palmen, an denen lecker aussehende Kokosnüsse hingen. Obwohl die Sonne gerade erst aufgegangen war, war es bereits angenehm warm. Ich trat auf den Balkon und war rundum glücklich. So musste es sich anfühlen, im Paradies zu erwachen. Mae Sariang UnterkunftWir hatten uns bereits gestern Abend ein kleines Frühstück besorgt. Nichts Großartiges – lediglich ein paar Brötchen und eine saftige und sehr leckere Melone. Mit dem Anblick vor uns verspeisten wir genüsslich unsere Speisen und ich genoss jede einzelne Sekunde. Nach den Anstrengungen der letzten Tage war solch eine kurze Pause richtig wohltuend. Irgendwann mussten wir jedoch aufbrechen, also packten wir unsere Sachen, beluden die Maschinen und wollten gerade weiterfahren, als die Straße von einem Umzug blockiert wurden. Na, das fing ja heute bereits spannend und interessant an. Nachdem der Umzug vorbei und wir noch ein wenig gewartet hatten, um nicht zu lange langsam hinter ihm her fahren zu müssen, starten wir nun doch endlich unsere Maschinen und begaben uns erneut auf die Mae Hong Son Loop.

Rööööööhhhhrrrrr….

Ein mittlerweile vertrautes Brummen und Summen machte sich unter mir breit, welches mir sofort wieder ein Grinsen aufs Gesicht zauberte. Denn ich wusste: Nun geht es wieder los.

Hello again, Mae Hong Son Loop

Kurven nehmend konnte ich mich gleich wieder frei wie ein Vogel fühlen. Mae Hong Son Loop StraßeAuf diesem Streckenabschnitt waren die Straßenverhältnisse recht gut, so dass wir zügig vorankamen. Gegen Mittag erreichten wir Mae La Noi, wo wir einen Abstecher zur Kaeo Komon Höhle eingeplant hatten.

Kaeo Komon Höhle – Das Märchenschloss unter der Erde

Die Kaeo Komon Höhle wurde erst 1993 entdeckt und das obwohl sie bereits 435-500 Mio. Jahre alt ist.

435-500 Mio. Jahre! Lass dir das mal auf der Zunge zergehen.

Bereits die Anfahrt war ein Highlight. Mae Hong Son Loop Reisfelder AussichtÜber schmale Straßen, an deren Rändern notdürftig
zusammengeschustert aussehende Holzhütten standen, fuhren wir vorbei an grünen Reisfeldern, die von kleinen Bergen umrahmt wurden. Wir erreichten den Parkplatz der Höhle, wo wir unsere Motorräder abstellten und uns erst einmal kurze Kleidung anzogen. Zu unserem Glück, wie wir später noch feststellen sollten. Anschließend wurden wir in einem PickUp auf steilen Straßen zur Höhle gebracht.

Hinweis: Allein zum Höhleneingang zu fahren ist aufgrund der schmalen Straße nicht erlaubt. Aber ein PickUp schafft regelmäßig Besucher dorthin. Einfach den Eintritt bezahlen und die Verantwortlichen fahren die Besucher nach Bedarf hin.

In der Höhle durften wir Besucher uns allein fortbewegen und gingen die schmalen Wege und Treppen immer tiefer hinein. Innen erwarteten uns fünf Kammern. Die Wände waren bedeckt mit reflektierenden Calcit-Kristallen und hier und da erhoben sich strahlend-weiße Stalagmiten. Überall funkelte und glitzerte es, so dass wir uns vorkamen, als wenn wir in eine fremde Welt eines Märchenschlosses eingetaucht wären. Irgendwie erinnerten die Kristalle mitunter auch an Blumenkohl. Unüblich für eine Höhle, war es in dieser schwül und stickig, so dass uns bereits nach kürzester Zeit der Schweiß in Strömen floss und wir die eigentlich heiße Luft an der Oberfläche beim Verlassen der Höhle plötzlich als angenehm kühl empfanden. Nachdem wir die Höhle besichtigt hatten, kehrten wir in den Ort zurück und machten erst einmal Mittagspause.

Tipp: Ziehe dir in die Höhle unbedingt kurze Sachen an – du wirst schwitzen.

Beim Mittag gab es wieder solch ein eindrucksvolles Erlebnis, von denen wir viele auf dieser Tour erlebten. Die Thai-Frauen, die uns die Speisen gaben, versuchten irgendwann mit uns zu kommunizieren. Auf Thai, wenigen Brocken Englisch und mit Händen und Füßen „unterhielten“ wir uns mit den Frauen. Ihr Interesse an uns war ihnen sichtlich anzumerken, was auch uns erfreute. Auf der kompletten Tour stellten wir immer wieder fest, dass Touristen in dieser Region wohl die Seltenheit sein müssen, vor allem noch mehr, wenn es zwei Weiße auf Motorrädern sind. Immer wieder wurden wir angesprochen oder interessiert beäugt. Jeder Thai, an dem wir entlang der Mae Hong Son Loop vorbeifuhren, schaute uns zumindest hinterher. Es war sehr schön, dadurch ein wenig in Kontakt mit den Thais zu kommen und erfreute jedes Mal aufs Neue unser Herz.

Aber zurück nach Mae La Noi. Nachdem wir eine leckere Thai-Suppe verspeist und ein wenig „SmallTalk“ gehalten hatten, schwangen wir uns wieder auf unsere Rösser und auf ging es wieder der Freiheit entgegen.Mae Hong Son Loop An die kommende Teilstrecke kann ich mich nur vage erinnern, weil ich mich irgendwann in einen regelrechten Rausch fuhr…Jede Kurve, die ich nahm, erfüllte mich mit purer Freude. Jedes Schild, was eine Kurve ankündigte, ließ mich schon vor Spannung und Erwartung grinsen und ich fragte mich, wie steil die nächste Kurve wohl wieder werden würde. Ich versuchte einen Rhythmus anhand der Kurvenmarkierungen zu identifizieren, um das Gefahrenmaß der Kurve abzuschätzen, aber immer wenn ich dachte, ich habe das System hinter den Schildern nun endlich verstanden, schlug wieder eine Kurve aus dem entdeckten Muster heraus. Dennoch konnte ich mit der Zeit wenigstens grob die Steilheit der Kurve anhand der Schilder abschätzen, so dass ich stets wusste, wie ich jede Kurve anzufahren hatte. Die Vegetation auf der Strecke wechselte immer wieder. Mal ging es vorbei an Reisfeldern, die von Bergen umgrenzt waren, dann gab es mal wieder Laubwälder, angeschlossen von anderen, dichteren Wäldern. Es ging durch ein Tal, voll mit Bananenstauden, durch die sich die Straße schlängelte. Sie waren eingetaucht in ein warmes Orangerot durch die untergehende Sonne. Mae Hong Son Loop AussichtspunktKurz bevor wir Mae Hong Son erreichten, eröffnete uns ein Viewpoint einen Ausblick auf die Bergwelt, die ich so in dieser Form hier nicht erwartet hätte. Eher in den USA oder Kanada. Doch der Ausblick über die bewaldeten Berge wusste zu beeindrucken.

Mae Hong Son

Es war bereits dunkel, als wir nach Mae Hong Son einrollten. Wir fuhren die lange Hauptstraße entlang Richtung des kleinen Sees. Als wir auf eine Seitenstraße abbogen, um zu dem Gewässer zu gelangen, mussten wir im Schritttempo an Marktständen vorbei, die glücklicherweise gerade erst aufgebaut wurden, so dass wir keinen Umweg zu fahren brauchten. Als wir an einer kleinen Unterkunft am See ankamen und eingecheckt hatten, erzählten wir dem Gastgeber, dass wir nun zu dem Nachtmarkt wollten, durch den wir hindurch gefahren waren. Dieser berichtete jedoch, dass an diesem Abend ein sehr seltenes Fest stattfinden und wir ihn doch folgen sollten, falls wir Interesse daran haben. Er meinte, dass es gleich in der Nähe wäre. Also schwangen wir uns erneut auf unsere Maschinen und folgten seinem Auto. Nach ca. 10 Minuten Fahrt erreichten wir eine Brücke, an der sich bereits unzählige Menschen versammelt hatten. Wir stellten unsere Motorräder ab und gesellten uns zu ihnen. Vor uns schlängelte sich der Fluss, der von bunten Lichtern erhellt wurde. Mae Hong Son Fest IIAuf der anderen Uferseite waren eine Leinwand und große Scheinwerfer aufgebaut. Ein Sprecher führte in Thai das Publikum durchs Programm. Obwohl wir kein Wort verstanden, wussten wir, dass es um die Königsfamilie geht. Traditionelle Tänze wurden an der anderen Uferseite aufgeführt, an uns vorbei gingen junge Thai-Frauen in festliche Gewänder gekleidet, um ihre Lichtspiele auf unserer Uferseite zu zeigen. Boote fuhren über den Fluss und waren Teil der Geschichte. Die komplette Kulisse erstrahlte in den unterschiedlichsten Farben. Der Vollmond strahlte und verpasste dem Treiben noch einen mystischen Flair. Es war ein beeindruckendes Schauspiel. Wir erfuhren erst nachher, dass dies eine traditionelle Zeremonie zu Ehren des Besuchs der Königstochter war, die am nächsten Tag nach Mae Hong Son kommen sollte. Nachdem die Festlichkeit beendet worden war, machten wir uns sichtlich beeindruckt auf den Rückweg und waren froh, solch ein seltenes Schauspiel miterlebt zu haben. Mae Hong Son Wat Chong KhamWieder am See angekommen, gingen wir nun doch noch auf den Nachtmarkt, auf dem wir auch unseren Gastgeber wiedertrafen. Wir bedankten uns sehr für seinen einprägsamen Tipp. Wir schlenderten über den Markt, der sich entlang einer Seite des Sees erstreckte. Im Hintergrund war der Wat Chong Kham Tempel majestätisch erleuchtet und der Vollmond schien weiterhin. Als der Markt sich seinem Ende neigte, gingen wir zurück in die Unterkunft und fielen erschöpft von den vielen wunderbaren Eindrücken des Tages ins Bett.

Tipps:

  1. Falls du die Möglichkeit hast, bleibe unbedingt länger in Mae Sariang. Wir hatten leider nur eine Nacht, was schade war, denn die Stadt aht definitiv einige sehenswerte Orte.
  2. Besuche unbedingt die Kaeo Komon Höhle. Es ist die einzige Calcit Höhle in ganz Südostasien
  3. Nutze die kleinen Essensmöglichkeiten entlang der Mae Hong Son Loop. Die Speisen sind köstlich und du kommst automatisch in Kontakt mit einem authentischen, untouristischen Thailand.
  4. Es lohnt sich an den vielen Viewpoints entlang der Strecke kurz anzuhalten und den Ausblick zu genießen. Die abwechslungsreiche Landschaft wird dich in Ihren Bann ziehen, versprochen.
  5. Der See und sein Tempel sind eine schöne Lage in Mae Hong Son, um sich eine Unterkunft zu suchen. Entlang des Ufers gibt es eine große Auswahl an günstigen Schlafmöglichkeiten
  6. Falls du noch mehr tolle Ausflugstipps entlang dieses Abschnittes suchst, schaue dir das Kommentar von Franz unten an.

Tagesstrecke: 197km

Was dich im nächsten Teil erwartet: Die Schlechtwetter- und Kältewelle beginnt über uns hinweg zu rollen. Können wir die Tour wirklich fortsetzen oder müssen wir abbrechen? Erfahre mehr im nächsten Artikel.

2 Kommentare, RSS

  1. Franz Terfloth 27. Juli 2016 @ 13:51

    Ein schöner Abstecher auf der Strecke führt 18 km vor Mae Sariang (also südlich) zu den Mae Um Long Luang Hot Springs.Es gibt einen Wegweiser,der zu den 13 km entfernten Quellen führt,die letzten Kilometer sind allerdings stark abfallende Schotterstrecke.Auf Wunsch wird gegen ein kleines Trinkgeld ein grosses Becken mit dem heißen Wasser gefüllt.Von dort hat man dann auch noch ein superidyllischen Ausblick auf das Tal.
    Den weiteren Weg nach Mae Saring kann man auch auf einer mehr als abenteuerlichen,aber tollen Strecke entlang des kleinen Flusses bewältigen.Allerdings sollte man ein geländegängige Maschine haben.Mit dem Mountainbike mußte ich häufiger mal schieben,weil’s mir zu riskant war.

    Außerdem lohnt sich meiner Meinung nach eine Fahrt zum Grenzort Mae Sam Laeb,der direkt am Salawin Fluß liegt.Besonders das kleine Dorf,das sich kurz vorher an die Hänge des Flußtals schmiegt,ist sehenswert.Es ist auch möglich,ein Boot für eine Tour auf dem Salawin zu chartern und mal kurz nach Myanmar „hineinzuschnuppern“.Bis auf die letzten Km mit Schotter und Sand ist alles asphaltiert.

    • Bine

      Bine 11. September 2016 @ 18:38

      Ein paar tolle Hinweise, die du da noch hast 🙂 Wenn ich die Strecke noch einmal fahren sollte, werde ich diese definitv mit einbauen.

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