Welche Gefahren birgt Plastik wirklich?

Wusstest du, Plastik Meerdass in Deutschland jährlich über 5,7 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert werden? Dass es so eine große Menge ist, war mir vorher auch nicht bekannt, obwohl ich bereits seit Jahren ein wenig auf die Menge an Müll achte, die ich produziere. Doch bis heute habe ich mich noch nie im Detail damit auseinandergesetzt. Als ich es nun doch tat, war ich schockiert. Soviel Plastikmüll wird jedes Jahr produziert?! Aber das wird doch recycelt, oder? Leider nein. Nur ein kleiner Bruchteil davon wird wirklich recycelt und in neue Produkte umgewandelt. In Deutschland sind es gerade mal 42 Prozent. In vielen anderen Ländern sogar noch weniger. Nehmen wir zum Beispiel die USA. Dort sind es nur 12 Prozent. Der Rest des Mülls landet auf Mülldeponien oder schlimmer noch in der Natur. Doch welche Gefahren gehen nun wirklich von Plastik aus? Ist es überhaupt schädlich? Für Mensch, Tier und Umwelt? Dieser Artikel wird dich über diese Fragen aufklären.

Plastik im Alltag

Ich möchte dich hier muellnicht mit irgendwelchem chemischen Wissen langweilen, aus welchen Teilen und Molekülen Plastik im Detail besteht und welche Verbindungen für die Herstellung notwendig sind. Fakt ist, dass bereits seit der 50er Jahre Plastik einen Aufwind erlebt und sich immer mehr in unserer Gesellschaft etabliert hat. Allein in Deutschland ist die Abfallmenge an Kunststoff zwischen 1994 bis 2013 von 2,8 Millionen Tonnen auf die bereits oben erwähnten 5,7 Millionen Tonnen angestiegen. Stell dir das Gewicht von 2 Cheops-Pyramiden vor – Plastik Alltagdieses entspricht in etwa der Menge an Plastikmüll, den wir jährlich produzieren. Im europäischen Vergleich ist Deutschland somit trauriger Spitzenreiter. 11,7 Millionen Tonnen Plastik werden jährlich hergestellt. Somit bildet Deutschland ca. 1/20 der jährlichen Plastikproduktionsmenge weltweit! Die Tendenz dieser traurigen Entwicklung ist steigend. Du brauchst dich nur mal in deinem Alltag umzusehen. Überall findest du Plastik. In Lebensmittelverpackungen, Dosen sowie Flaschen. Auch viele Haushaltsgegenstände plastik-flaschensind aus Plastik. Sogar in deiner Kleidung findest du dieses Produkt. Von den Gehäusen elektronsicher Geräte gar nicht erst zu reden. Ohne Plastik können wir uns ein Leben nicht mehr vorstellen. Es ist unumstritten, dass Plastik positive Eigenschaften hat. Es ist formbar, günstig in der Herstellung und vor allem robust. Es erleichtert viele Alltagssituationen und macht sogar bequemer. Doch gibt es nicht immer auch noch eine Kehrseite der Medaille? Korrekt, denn dieser so hoch angepriesene Stoff birgt eine Menge Gefahren. Für Umwelt, Natur und sogar uns Menschen.

Produktion von Plastik

Bereits erdoelgewinnungdie Herstellung von Plastik birgt einige negative Folgen. Der am meisten verwendete Grundstoff zur Produktion ist Erdöl. Neben diesem werden ebenso noch Kohle oder Erdgas genutzt. Tragische Geschichten über Raubbau, Zerstörung und katastrophale Folgen für die Menschen, die in Abbaugebieten leben, sind dir sicherlich bekannt. Sie alle entstehen, weil wir aufgrund unseres hohen Plastikkonsumes eine Menge an Erdöl benötigen. Erdöl FolgenDer komplette Prozess über Gewinnung, zu Transport und Verarbeitung ist ein Verfahren, was sehr viel Energie benötigt. Schätzungen zu Folge werden dabei jährlich 100 – 500 Millionen Tonnen an CO2 Abgasen produziert – das entspricht der Emission von 19-92 Millionen Fahrzeugen auf der Straße. Und das nur, um Plastik zu produzieren. Wir beeinflussen also nicht nur Abbaugebiete negativ, sondern fördern mit der Nutzung von Plastikgütern auch sehr den Ausstoß von CO2. Das wirkt sich natürlich ebenso auf den Klimawandeln aus.

Chemische Stoffe im Plastik

giftstoffeDu hast sicherlich bereits schon einmal irgendwo das Wort „Weichmacher“ aufgeschnappt. Er sorgt dafür, dass das Plastik weicher, flexibler, formbarer und elastischer wird. Vielleicht hast du auch bereits einmal die Abkürzung BPA oder „BPA frei“ gehört oder gelesen. Genau diese bezeichnet solch einen Weichmacher. Doch welche Gefahren verbergen sich in diesen Stoffen? So einige. BPA, ausgesprochen Bispenol BPA, wirkt ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen. Folgen daraus sind, dass neben Unfruchtbarkeit und sexuellen Störungen ebenso Diabetes, Fettleibigkeit und Schädigungen des zentralen Nervensystems auftreten können. Da sich BPA beim Erhitzen von Plastik aus diesem Lösen kann, ist es seit 2011 bereits für Babyflaschen verboten worden. Doch auf Erwachsene entfaltet es weiterhin seine fatale Wirkung. Denn neben dem Entweichen durch Erhitzen, kann es ebenso durch Hautkontakt mit Plastik in den Körper aufgenommen werden. Neben BPA gibt es noch sogenannte Phthalate und Polyzyklische aromatische Kohlenwassertoffe, kurz PAKs. Beide Stoffe zählen ebenso zu den Weichmachern und können Organismen schädigen. So stehen Phthalate im Verdacht krebserregend zu sein und ähnlich wie BPA hormonähnliche Eigenschaften aufzuweisen. Dadurch sind sie nicht nur fortpflanzungsgefährdend, sondern können ebenso Asthma und Allergien auslösen. PAKs können Krebs verursachen und eine entwicklungsschädigende Wirkung haben. Das traurige ist, dass all diese Stoffe alltägliche Begleiter sind, denn sie finden sich in allen PVC-haltigen Produkten wieder. Zu diesen zählen zum Beispiel Lebensmittelverpackungen. Somit kommen wir automatisch mit all diese Stoffe jeden Tag in Berührung, ohne darüber nachzudenken auf.

Riesige Müllstrudel im Ozean

plastik-schwimmendDer große Nachteil an Plastik ist, dass es nicht abbaubar ist. Und genau dieser Fakt ist einer der größten Probleme. Oftmals landet nicht recyceltes Plastik in der Natur – sei es auf Wiesen, in Wäldern oder wo auch immer. Letztendlich landet es nach einiger Zeit immer in Flüssen und schlussendlich vor allem im Ozean. Vielleicht hast du bereits schon einmal von großen Müllteppichen gehört, die auf dem Meer treiben und das nur als Gruselgeschichte abgetan. Ich muss dich enttäuschen, es ist leider traurige Realität. Insgesamt gibt es 5 von diesen großen Strudeln und noch mehrere kleinere. Der bekannteste große Strudel ist der Nordpazifikstrudel, der mehrere 100 Quadratkilometer an Fläche umfasst. Bedingt durch die Meeresströmungen und anderer Klimafaktoren treibt jeglicher Müll irgendwann in einen dieser Strudel. Dort verbleibt es oder wird irgendwann an Küsten gespült. Kennst du den Anblick eines komplett vermüllten Strandes? Dort hätte ich genauso wenig Lust zu baden oder meine Zeit zu verbringen. Auf Hawaii oder in Chile sind solche Strände leider bereits zum Teil Realität, da an diesen regelmäßig Massen an Müll angespült werden. Über 6 Millionen Tonnen Müll landen jährlich in unseren Weltmeeren – das sind mehr als 2 Cheopspyramiden, um diese wieder als bildlichen Vergleich heranzuziehen. 5.25 Billionen Plastikteile schwimmen bereits in unseren Ozeanen. Müll StrandAllein in der Nordsee befinden sich 20.000 Tonnen Müll, wovon 75% Plastik sind. Etwa 70% dieses Mülls sinken auf den Meeresboden hinab. Es ist also gerade einmal ein Bruchteil davon an der Meeresoberfläche erkennbar. Die unglaubliche Menge an Müll hat zur Folge, dass in weiten Teilen der Meere bereits sechs mal mehr Plastik als Plankton vorhanden ist, in einigen Abschnitten sogar 46 mal mehr. Doch neben der optischen Verschmutzung birgt dieser Müll noch viele weitere Gefahren. Nicht nur, dass sich Tiere darin verfangen und elend zu Grunde gehen, das Ökosystem gestört wird, weil mittels der Plastikteile Organismen an neue Orte transportiert werden, nein es gibt noch eine Menge weitere Folgen.

Vergiftung und Tötung des marinen Lebens

Tod durch PlastikDass Plastik gefährliche chemische Substanzen enthält, habe ich bereits ein paar Absätze weiter oben erwähnt. Es ist sicherlich offensichtlich, dass das nicht nur für uns gefährlich ist, sondern auch für viele Tiere. So werden durch die im Plastik befindlichen Hormone zum Beispiel viele männliche Meerestiere immer weiblicher oder zu Zwittern. Doch damit nicht genug. Studien zeigen, dass Plastik wie ein Magnet für weitere Giftstoffe wie Schwermetalle wirkt. Japanische Wissenschaftler wiesen nach, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Konzentration an Giftstoffen an einem Plastikteil extrem vervielfacht, sobald es in Gewässern treibt. Der Grund dafür ist, dass es diese anzieht und mit ihnen eine neue Verbindung eingeht. Doch welche Folgen hat das wirklich? Treibt Plastik längere Zeit auf dem Meer, so zerfällt es durch Sonne und Witterung mit der Zeit in immer kleinere Partikel. Es wird dann Mikroplastik genannt. plastikteileDie dabei entstehenden Kleinstteile wirken auf viele Tiere wie Futter. Das hat zur Folge, dass sie diese verwechseln und fressen. Untersuchungen von verendeten Eissturmvöglen zeigte, dass ihr Mägen in erheblichen Maße mit Plastik gefüllt sind. Würde man die Menge auf den Menschen hochrechnen, so hätte er eine komplette Brotdose voll Plastik in seinem Magen. Unvorstellbar. 2013 strandete ein Pottwal in Spanien. Auch in seinem Magen ließ sich Plastik finden: 30 Quadratmeter Folie wurden entdeckt. Er starb an den Folgen dieser Menge durch eine Darmblockierung. Die aufgenommenen Plastikteile führen also nicht nur zu Magenprobleme und Entzündungen, sondern die in den Partikel befindlichen Gifte töten oder verseuchen die Organismen zudem. Und das fällt am Ende der Nahrungskette auch wieder auf uns Menschen zurück. Insgesamt sterben lährlich 1 Millionen Seevögel und 100.000 andere marine Lebewesen an der Aufnahme von Plastikpartikeln. Warum das Fressen von Plastik am Ende auch auf uns Menschen zurück fällt, erkläre ich dir im nächsten Abschnitt.

Der Giftkreislauf schließt sich

vergiftete-nahrungWir Menschen sind es, die das Plastik nutzen und damit die Meere verschmutzen. Wir töten Tiere und Pflanzen und am Ende sind wir selbst die Leidtragenden. Nicht nur, dass wir durch Abbau Produktion und Konsum ein einzigartiges Ökosystem zerstören, dessen Auswirkungen wir nicht abschätzen können. Am Ende vergiften wir uns selbst. Denn die Plastikteile werden nicht nur von den Eissturmvögeln oder Pottwalen gefressen. Sondern sie werden auch von Muscheln, Shrimps und Fischen aufgenommen, die am Ende auf unseren Tellern landen. Dieser Prozess wird Bioakkumulation genannt. Somit landen alle Gitstoffe am Ende auch wieder in unseren Organismen. Eine für mich erschreckende Erkenntnis, die mir vorher gar nicht so bewusst war.

Ist es das wirklich wert?

plastik-verschmutzungSomit stellt sich mir die Frage, welchen Preis wir für unseren Plastikkonsum bezahlen. Ist ein bequemerer Alltag dies wirklich wert? Wir können überhaupt nicht abschätzen welche Folgen dieses Handeln auf unser Leben und das unserer Nachkommen haben wird. Sorgen wir dafür, dass wir alle krank werden? Unseren Planeten zerstören? Wollen wir das wirklich, dass wir so ungezügelt konsumieren ohne an mögliche Gefahren und Folgen zu denken?

Meiner Meinung nach: NEIN!

Wir sollten anfangen bewusster darauf zu achten, welche Stoffe wir tagtäglich um uns haben. Jeder einzelne kann dazu beitragen etwas für die Umwelt, unsere Nachkommen und unsere Welt zu tun. Plastik wird sich vorerst wohl nicht gänzlich aus unserem Leben verbannen lassen, doch wir können zumindest versuchen, die Masse an Plastik zu reduzieren. Ein Umdenken ist auf jeden Fall notwendig. Leiste auch du deinen Beitrag dazu!

Tipps, wie auch du das im Alltag umsetzen kannst, findest du in einem gesonderten Artikel.


Wie stehst du zum Thema Plastik? Achtest du in deinem Alltag darauf oder hast du dir noch nie Gedanken darüber gemacht?

2 Kommentare, RSS

  1. Andrea 28. September 2016 @ 13:15

    Mir war die Problematik lange Zeit überhaupt nicht bewusst. Wenn man dann beginnt, sich damit zu befassen, steht man dem Ganzen erst mal völlig hilflos gegenüber! Es gäbe so viele Möglichkeiten, es einzudämmen: Holzspielzeug für die Kleinsten, anstelle von Plastik, Papiertüten, mehr Läden, die unverpackte Produkte anbieten… Für die Meere ist es nur noch ein paar Sekunden vor Zwölf. Mir macht das Angst, auch wenn ich den großen Knall sehr wahrscheinlich nicht mehr erleben werde.

    • Bine

      Bine 30. September 2016 @ 8:32

      Ich kann nur zu gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Mir ging und geht es ganz genauso. Sehr schlimm war für mich auch der Coastal CleanUp Day, an dem ich vor zwei Wochen teilgenommen hatte – dort bekommt man das komplette Müllproblem erbarmungslos vor Augen geführt. Ich muss zugeben, dass mir danach den ganzen Tag schlecht war und ich diese erschreckenden Eindrücke erst einmal verarbeiten musste. Ich hatte mit viel gerechnet, doch nicht mit so viel. Ich denke, deine Angst ist mehr als berechtigt. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen anfangen darüber nachzudenken. Jeder einzelne kann schließlich seinen Beitrag dazu leisten. Du hast bereits ein paar tolle Ideen aufgeführt und es gibt noch so viele unzählige weitere. Wir müssen alle nur endlich anfangen sie umzusetzen, sonst kommt dein angesprochener Knall schneller als uns lieb ist.

Deine E-mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert. *

*

Facebook
Facebook
Instagram
Follow by Email